Planen ist nichts anderes als Wählen!

Planen ist nichts anderes als Wählen!

Planung bleibt stets eine heikle Angelegenheit. Mit vielen offenen Fragen: Wie läuft die Planung? Kann sie sich rechtzeitig anpassen? Was, wenn sich dieser Auftrag verzögert? Und wie sieht es mit Personalreserven bei Krankheit oder Absenzen aus? Diese Fragenliste könnte noch wesentlich länger ausfallen, aber ich glaube, dass die Problematik bereits deutlich ist. Diese Fragen stellen sich bei den meisten Unternehmen (vor allem im herstellenden Gewerbe). Als ERP-Anbieter bekomme ich häufig den Hinweis, dass ERP kein Planungswerkzeug ist. Das finde ich jedoch etwas seltsam. Im Grunde genommen ist ERP eine Rechenmaschine, die auf Basis eines Bedarfs oder einer Aufgabe ausrechnet, was zur Verwirklichung benötigt wird. Das ERP-Programm berücksichtigt dabei die Materialverfügbarkeit, die disponierbare Kapazität und viele andere Parameter, um Planung, Lagerhaltung, Herstellung usw. zu unterstützen und eine fristgerechte Lieferung zu realisieren. Natürlich weiß ich sehr genau, dass viele eine Planung am besten mit Hilfe eines grafischen Planungsdiagramms (Gantt) handhaben können. Farbbalken mit Informationen, die mittels ‘Kopieren und Einfügen’ hin und her geschoben werden können. Hier geht es um eine manuelle Einflussnahme auf eine bestehende Planung und um Fortschrittsüberwachung. Vielleicht schließt dies auch einen Eingangskorb ein, wie man ihn früher von Kfz-Werkstätten her kannte, in dem die eingehenden Aufträge platziert werden müssen. Eine Liste mit Aufträgen (Auftragszettel in unserem Beispiel), die präzise an einem Wochentag und/oder Uhrzeit von dem zugewiesenen Mechaniker in Angriff genommen werden müssen. In der Vergangenheit wurde diese Art von Tool zur Arbeitsvorbereitung separat von ERP-Systemen angeboten. „Best of Breed“ nannte man solche Pakete. Der Trick war dann, vom MRP-System (Materialbedarfsplanung) aus den ermittelten Bedarf (Teile und Personal) und die einschlägigen Aufträge mit dem Planungstool zu verlinken, um schließlich einen detaillierten Plan zu erstellen. Die rückgemeldete Fertigstellungsmeldung war danach wieder mit den korrekten Daten zu verlinken. Wie Sie sehen, ist ein solches Planungswerkzeug eng mit einem MES-System (Manufacturing Execution System oder Fertigungsmanagementsystem) verwandt. Darüber schreibe ich besser etwas in einem künftigen Blog, da man mit MES auch Bücher füllen könnte. Wundermittel… Das Problem bei verlinkten Softwarepaketen ist das Informationsvolumen, das zwischen den Programmen hin und her übertragen werden muss. Und ist diese Information auch wirklich in Echtzeit? Müssen Mitarbeiter, die Auskünfte über die Planung benötigen, sich in das Planungsprogramm einloggen? Oder können Sie alle benötigten Informationen auch innerhalb des ERP-Systems abrufen, mit dem sie täglich arbeiten. Denken Sie hier an einen Mitarbeiter im Verkauf, der sich über den Fortschritt eines Eilauftrags informieren will. Heutzutage sieht man zunehmend mehr ERP-Plattformen, die zur grafischen Veranschaulichung der Planung entsprechende Funktionalitäten beinhalten. Da jetzt die Information für alle Mitarbeiter in Echtzeit abrufbar ist, sind die komplexen Schnittstellen zwischen Programmen nicht mehr notwendig. Ein großer Schritt in die richtige Richtung! Die Verknüpfung von Materialbedarf oder -verfügbarkeit ist hierdurch auch einbezogen, während Stand-Alone also eigenständige Planungswerkzeuge oft Materialeinschränkungen nicht berücksichtigen.

Wenn Sie vor der Wahl stehen, entweder die Planung erneut zu automatisieren oder mithilfe eines ERP-Upgrades die Herstellungsabläufe zu verbessern, sollten Sie m.E. zunächst bedenken, was Sie vom jeweiligen Programmtyp erwarten dürfen. Hierzu sollten Sie die Vorteile von Stand-Alone gegen die von integrierten Lösungen abwägen. Eine grafische Planung wird noch stets als „Wundermittel“ gegen Planungsprobleme angesehen. „Damit kann ich genau sehen, wie es sich auf die Fertigung auswirkt, wenn ich einen Auftrag verschiebe,“ lautet eine typische Aussage dazu. Dies ist sicher nicht unwahr. Doch wenn ich im Schnitt 100 Aufträge pro Tag plane und verarbeite, kann so eine grafische Darstellung doch recht problematisch werden. Wahrscheinlich profitieren Sie in so einem Fall am meisten von einer Funktionalität, die allein auf die Ausnahmen fokussiert ist und diese anzeigt. Schließlich wollen Sie ja Ihren Überblick nicht durch Prozesse verlieren, die ordnungsgemäß ablaufen.

Dann doch lieber einen Lieferwagen.

Der Einsatz eines Planungswerkzeugs erfordert zuvor eine genaue Analyse der Ziele, die die Planung zu erfüllen hat. Je nach Umständen muss evtl. ein anderes Tool herangezogen werden. Ich habe schon oft gesehen, wie ein komplexes Planungswerkzeug, das Informationen und Ratschläge im Rahmen von allerlei Filtern ausgibt, anfänglich mit Begeisterung im Unternehmen aufgenommen wurde. Doch in vielen Fällen wurde dieses Tool nach kurzer Zeit nur noch begrenzt oder überhaupt nicht mehr genutzt. Gründe dafür waren, dass das Einrichten der Filter, das Beherrschen des Tools zu kompliziert waren und eine zuverlässige Schnittstelle oder Blackbox nicht gelang. Ein Cabriolet ist bestimmt toll zu fahren, doch was ist, wenn Sie damit Gefriertruhen transportieren wollen? Da wird Ihnen ein Lieferwagen sicher bessere Dienste leisten! Noch Fragen?