Der Anwender steht im Mittelpunkt!

Der Anwender steht im Mittelpunkt!

Den Anwender in den Mittelpunkt zu stellen, ist eigentlich eine direkte Übersetzung von consumerization of IT (Konsumerisierung von IT). Das ist nicht nur ein Slogan, um wieder was Neues im IT-Sektor auszurufen, sondern seit Jahren ein Trend.

Videorekorder

In der Vergangenheit wurde durch verschiedene Software-Anbieter festgelegt, wie Software auszusehen hatte und wie die Anwender sie zu nutzen hatten. Leider waren die Grundzüge der Software aus technischer und funktioneller Warte geschrieben. In vielen Fällen wurde einfach vergessen, dass die Anwender der Software nicht zu den Personen gehörten, die Tag und Nacht auf einen Monitor starren. Oft sind es doch gewöhnliche Menschen, die neben ihrer Arbeit auch noch andere Hobbys als Computer haben. Eines der nettesten Beispiele, wie man Kunden überfordert, war das Programmieren eines Geräts, das man als Videorekorder bezeichnete. Leser dieses Blogs, die nach 1995 😉 geboren sind, wissen wahrscheinlich nicht wovon ich rede. Diese Geräte waren die Vorläufer von DVD-Spielern oder genauer von HD-Rekordern, wie wir sie heute kennen. Videorekorder wurden Anfang der 80iger Jahre sehr populär, da man damit Fernsehprogramme auf Magnetbändern aufzeichnen konnte, um sie zu einem späteren Zeitpunkt anzuschauen. Daneben konnte man auch Filme auf Videokassetten in Videotheken mieten, um sie dann zu Hause anzugucken. Echtzeitaufnahmen waren dabei weniger ein Problem. Sie stellten den Videorekorder auf den betreffenden TV-Senderkanal ein und drückten auf die Aufnahmetaste, sobald das Programm begann. Der Rest ging dann von selbst. Natürlich konnte man nicht immer warten, bis ein Programm begann oder endete. Daher konnten Sie diese Videorekorder auch programmieren. Das endete oft mit einem Drama, denn wir Männer sind natürlich viel zu stolz, um eine Bedienungsanleitung zu lesen. Wir schlagen allenfalls in ihr nach, wenn wir gar nicht mehr durchblicken. In vielen Fällen half das jedoch auch nicht viel weiter. Ich bin der festen Überzeugung, dass durch das Aufkommen von Videorekordern einige Ehen scheiterten.

Die neue Generation Dieses Beispiel veranschaulicht für mich, was passiert, wenn Software rein aus technischen Gesichtspunkten geschrieben und der Anwender total ignoriert wird. Heute ist das jedoch ganz anders. Wir kaufen oder mieten (SAAS) selbst Software und wollen eigentlich direkt nach dem Installieren damit arbeiten. Der Konsument verlangt vom Softwareanbieter eine entsprechend intuitive Lösung, die man ohne oder nur mit geringer Anweisung nutzen kann. Erfüllt Ihre Software nicht diese Anforderung, besteht große Gefahr, dass der Konsument Ihr Produkt oder Ihre Software links liegen lässt. Die „App“ (in einem anderen Blog behandelt) ist hier das Paradebeispiel für eine niedrige Einstiegsschwelle. Sobald Sie diese Software auf Ihrem Smartphone, Tablet oder PC installiert haben, können Sie direkt loslegen. Erfüllt sie nicht Ihre Erwartungen, laden Sie einfach eine andere herunter. Apps sind natürlich eine eigene Angelegenheit, aber auch Software wie ERP- oder CRM-Programme können sich dieser Umstellung nicht entziehen. Der Anwender ist viel anspruchsvoller und erwartet Bedienungsfreundlichkeit! Wichtige Informationen müssen direkt abrufbar sein. Eine langwierige Suche nach Informationen ist nicht mehr diskutabel, denn Sie wollen die Informationen auf einen Blick. Am besten schon auf der Startseite. Das Layout von Bildschirmen und Berichten muss einfach und übersichtlich sein. Zudem muss man es nach Bedarf anpassen können, um so effizient wie möglich arbeiten zu können. Die heutigen Schulabgänger wollen mit moderner Software arbeiten und sehen sie als Kriterium, um bei einem Arbeitgeber überhaupt anzufangen. Natürlich werden Sie kaum im Lebenslauf eines 27-jährigen eine Erfahrung von 4 Jahren mit AS400 finden. Damit will ich jedoch ausdrücken, dass Arbeitgeber bei der Wahl der Unternehmenssoftware nicht allein auf Funktionalität und Preis achten müssen. Wie modern und innovativ die Plattform ist, sollte ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Und vergessen wir darüber bitte den riesigen Einfluss nicht, den soziale Medien heute haben. Diese können Unternehmen nutzen, um neue, junge und ehrgeizige Talente anzuwerben, und sicher auch, um sie zu halten. Eigentlich logisch …